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Wahlkuscheln im TV

Gestern gab es ja das „große TV Duell“, dem man nur mittels DVD-Player entrinnen konnte. Also habe auch ich mir das mal angesehen und meine bisherigen Beobachtungen zum Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009 wurden bestätigt. Was ich bisher beobachtet habe?

  • Frau Merkel ist zufrieden mit sich und ihrer Arbeit und darum wirbt sie vor allem für sich selbst.
  • Herr Steinmeier ist ebenfalls zufrieden mit sich selbst und wirbt dafür, dass die SPD nicht ganz in den Keller rutscht und er Vizekanzler bleibt.
  • Die FDP hat keine Lust mehr auf Opposition und will nach über 10 Jahren endlich noch einmal mitregieren.
  • Die Grünen tauchen in den Medien gar nicht mehr auf und hoffen scheinbar darauf, dass ihre Stammwähler politisch motiviert genug sind von alleine am 27. September auf die Idee zu kommen ins Wahllokal zu marschieren.
  • Die Linken finden sich selbst einfach nur super und sagen der Sozialismus hat ja eigentlich doch recht gut funktioniert und deswegen könnten sie 20 Jahre nach der Wende auch endlich nochmal ein wenig rumregieren.
  • Die Piraten machens wie Obama und aktivieren via Internet, alles was jünger ist als die Kugelschreibergeneration und wollen so von 0 auf 5%.

Nun, dass es gestern nicht zu einer Schlammschlacht kam war von vornherein klar und jeder der was anderes erwartet hatte, scheint etwas realitätsfremd. Was aber zumindest wünschenswert war, wäre eine sachliche und auch kontroverse Diskussion der „zwei“ Kanzlerkandidaten.
Ganz besonders putzig fand ich allerdings, dass nach der Diskussion Herr Stoiber meinte, dass die Deutschen mittlerweile alle großen Fragen ausdiskutiert hätten und deswegen kein Bedarf mehr für zwei klar voneinander abgrenzbare Volksparteien wäre. Diese These wird selbstverständlich schon alleine dadurch belegt, dass wir derzeit 5 Parteien im Bundestag haben und nicht mehr 3 wie zu Franz-Josef Strauß´s Zeiten.
Mein persönliches Highlight gestern war allerdings, als Frau Maischberger Frau Merkel auf eine mögliche schwarz-gelbe Koalition ansprach und diese sich an den Begriff „Tigerenten-Koalition“ aufhing. Ich find den Begriff witzig und mit Humor könnte man doch ruhig auch mal die Politik auflockern. Es ist nämlich durchaus möglich sachlich über etwas zu diskutieren und dabei auch mal ein Späßle zu machen.

Natürlich war die gestrige Sendung auch Thema in den Tageszeitungen heute. Die starren Regeln der Diskussion sind ja gestern in den „After-Show-Sendungen“ bereits thematisiert worden, aber für die Zeitungen stand offensichtlich der Buhmann der Veranstaltung schon vorher fest: Die bösen Fernsehsender mit ihren hinterhältigen Moderatoren. Die Moderatoren haben es doch tatsächlich gewagt zu versuchen die beiden „Duellanten“ ein wenig aus der Reserve zu locken. Schande über sie! So etwas tut ein anständiger Journalist doch nicht!

Gut, über die Veranstaltung an sich kann man natürlich auch sehr lange und ergiebig diskutieren.
Da es in Deutschland keine Direktwahl gibt und keine der beiden (alten) Volksparteien die 50% Marke erreichen wird, ist die Frage wen der Wähler bei einer Direktwahl zum Kanzler wählen sinnlos oder maximal als grobes Indiz zu betrachten.
Außerdem liegen die Parteien laut Umfragen so nah beieinander, dass es sinnvoller wäre eine Diskussionsrunde statt eines Duells durchzuführen. Daran könnten z. B. alle in der laufenden Legislaturperiode im Bundestag vertretenen Parteien teilnehmen. Gut, das würde zwar zu ähnlichen Protesten führen wie Entert den Raab, aber da 27 Parteien zur Wahl stehen muss man irgendwo eine Grenze ziehen, da es sonst „ein wenig“ unübersichtlich wird.

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  1. piratig
    14. September 2009 um 12:58

    Ich glaube, es sollte jedem klar sein, dass die Wahl am 27.9 daz da ist, einen NEUEN Bundestag zu wählen, und nicht lediglich den ALTEN zu bestätigen.

    Mehr dazu hier:
    http://bit.ly/15g1cj

    • Anmerkerin
      14. September 2009 um 13:23

      Das ist mir durchaus klar.
      Nur muss man bei einer Diskussionsrunde irgendwo eine Grenze ziehen, denn von allen 27 Parteien je einen Vertreter einzuladen wäre zu viel und würde jede Sendung sperren. Versteh mich nicht falsch, ich stimme in vielen Punkten mit den Piraten mehr überein, als mit der ein oder anderen Partei im Bundestag, aber woran würdest du denn eine Grenze festmachen, wer eingeladen wird und wer nicht?
      Ich rede jetzt nicht von Raabs Versuch politisch zu werden, sondern von dem Ersatz des, aufgrund des Wahlsystems in Deutschland, sinnlosen Duells von SPD und CDU Kandidaten durch eine Diskussionsrunde.

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